Remaraweng Boarisch

Wortschatz

Salz in der alltäglich faden Sprachsuppe

Alternativwörter zu norddeutschen und überstrapazierten Ausdrücken

 

Die süddeutsche Hochsprache und vor allem die bairischen Mundarten bieten eine oft unterschätzte Vielzahl an Ausdrucksweisen und Wortschatz im Vergleich zu dem häufig einfallslosen und monotonen Nordhochdeutschen. Geprägt mit seinen Färbungsnuancen, Zwischentönen und Wortbildungsmöglichkeiten, seinem Satzbau und nicht zuletzt tiefreichenden Wurzeln, die bis in die Antike zurückreichen – verschafft Bairisch einen hochwertigen Sprachreichtum. Zu bedauern sind diejenigen, die nur über eine simple, phantasielose und gefühlslose vernorddeutschte Einheitsbreisprache verfügen.

 Nehmen wir als prägnantes Beispiel das allgegenwärtige, überstrapazierte norddeutsche Wort „toll das Süddeutsche/Bairische bietet im Gegensatz dazu (siehe unten) eine umfangreiche Palette, die dem Sprecher als Wortschatz und Ausdrucksformen zur Verfügung stehen.

 

statt

(violett = allgemeines Hochdeutsch)

(rot = Nordhochdeutsch)

wiâ waar’s mid?

abgekommen, verschwunden

ohkeema, åbkemma, Fiass griang

Angeber, Prahler, Aufschneider

Ånduscha, Schatza, Dåmpfblodahefn, honaggisch,
Krenreißa (Krenreißer) (von
Kren),
 Plauscha

Anwohner

Anrainer (kommt von rain = angrenzen)

Appetit machen, locken

ooweing

ärgern

feigeln, fuchsen, hunzen, magerln, rollen, schwanzen, tratzen, zwiefeln

ausflippen

in d Froas foin

bereden, besprechen, diskutieren

(vgl. sprechen)

dischkriern

(vgl. plaudern)

Baby

Båschz, Buzerl, Pamperl, Butzerl, Datl, d Kloa, Poppei, Putzei, Wuzei (Kleinkinder), Zwergerl, Zwutschkerl

babysitten

kindsn, Kina hiatn

bekleckern, besudeln, beschmutzen, trentschen, klecksen

obatzen, odredern, påtzn

ogschdriaggln (oogschdriaggld), oschledan, otrenzn

bequem

griabig, gschmoh, zünftig (zinfti), kommod

bescheuert, blöde (mehr)

blöd (bled), antritschgert (auntritschgat), deppert

(Steigerungen: brunzbled, saubled, mordsdeppert etc.)

betrügen, beschwindeln

ausschmieren, bedageln / betaggln, betackön / betackeln, bscheißn, blitzn, einlegen, jemanden übers Ohr hauen, mankln, pratzln (bratzln), prellen, schlengen ummèhé(b) / umihebm, überluxln, vaschaukln

bitter, scharf

hantig (hanti), rass / raß

bloß, nur

gnetta / netta (mehr)

"Des kost netta fuchzg Cent" = "Das kostet nur fünfzig Cent"

Heirat´ netta nia an Jaga -
hat ihr d´Muatta friahra gsagt,
weil der Kunt grad seine Gwehra
durin Wald ins Wirtshaus tragt!
Aus dem Gedicht "Heirat´ netta nia an Jaga!" von Pöllmann Renate

bitte schön

sengs Gott (Gsengsgod)

(als Antwort auf vagelts Gott)

Bottich

Boding, Eimer, Faß, Kübel (Kiwi), Pitschn, Schaffel / Schaffl, Söchta, Strutzn, Zuber (Zuwi)

danke schön

vagelts Gott (vàgäidsgod/vagöitsgod) oder Gäidsgod

Bündel, Pack

Binkl / Binkal, Riedel (auch Hügel)

einen Deal machen

ausschnopsen
 (etwas vereinbaren, abmachen; von „Schnapsen“ einem Kartenspiel) „Wos hobst denn ausgschnopst?“

Dummkopf

Depp, Halawachl, Happadidl (Happal - schwache Person, unbeholfenes Kind), Heamp (Dummkopf, derber Kerl)

Durcheinander

Remasuri, Ballawatsch

eilig / sich eilen

dråwig (tråwig), gneadig bzw. gnedig, schleinig, schlauna, husig (husi), tummeln/tummön

etliche, einige

etla, etli, etlani, epanad  (vgl. ella und erla), netla, a netla
õã (z.B.
õã Leid = einige Leute)

erschrocken

dakemma

flirten

spenzln

frech, vorlaut

gschnappig [gschnabbig], gfotzert [gfoddsad], goschert  [goschsad]

Friedhof

Freithof (mhd. frîthof = "gefreiter Platz", von ahd. frtten = einhegen, umfrieden, schonen), d.h.  ein eingefriedeter Vorhof einer Kirche

Gottesacker

geil sein, lüstern

amerig, Blang, boazig, glangrig sein, dampfig sein, gamarig, gamsig sein, glimmig, behrat / berad, ranzig

Gesundheit!

helf Gott! (häifgod!)
(wenn einer geniest hat)

Antwort darauf „Sengs God!”

glitschig / spiegelglatt

hai (hei, häu, häul, heiö)

geizig; Geizhals

ruachig, an Ruach haben; ruachln,

Siach / Siachleng(t) (Geizhals, Ausbeuter, ein besitz-, hab- u. geldgieriger Mensch) Z.B. siachische, so a Siach

geworfen (sich werfen)

draat (dràhn), gworfa (weafan), gstraaht (strààn), baut (bauan), gschlenzt (schlenzen), highaut (hĩhauen), zrissn (zerreißen), körbet (körbeln), gschleidert (schleidern), gschmissen (schmeißen), gstrullert (strullern), gstaangelt (gstàngelt), gschlenzt (schlenzen) - (siehe auch Kolumne „Maßgeschneidert” vom Herbert Schneider zum Thema im Münchner Merkur)

 

Göre (ungezogenes Kind)

Frazn / Frozn, Flenntaschn (häufig weinendes Kind),
Fanggerl, Fankerl
(lebhaftes Kind; Teufelchen, Poltergeist;
auch Funke; Schneeflocke)

Gankel (kleiner Teufel, Lausbub) - (mehr)

Grast (derb),
 Gschropp
(kleines Kind, verächtlich)

Griesgram, Miesepeter, Sauertopf, Nieselpriem

Granthauer, der Grantler / die Grantlerin, der Grantscherben, Zwiderwurzn

Heimweh

hoamalantn, Zeitlang haben

Hemd

Pfoad, Hemad

hör mal zu

(mehr über das Unwort mal)

loos amal zua (loos du amoi zua)

loost’s amoi zua (loost ös amoi zua)

huckepack tragen

buckelkraxen

Rückengestell vgl. buckelkraxen (huckepack)

Als Buckelkraxe bezeichnet man im Alpenraum einen "Rückentrage". Es handelt sich um eine Zusammensetzung aus Buckel (Rücken) und Kraxe (Traggestell).

Eine Kraxe oder Kraxn ist auch ein altersschwaches Auto, Schrotthaufen auf Rädern, wird verächtlich auch allgemein auf Autos angewandt. "Mit dera Kraxn kummst nie nach Minga"

Hügel

Bichel, Bichl, Buckl, Bugl, Heach, Hechtl, Mugl

I-Tüpfelchen, Tüpfelchen auf dem i; Sahnehäubchen

(im Sinne von "Krönung einer Leistung", "das letzte was fehlt")

I-Tipferl;

Schlagobersgupf, Schlagrahmgupf

irgendwo

anouschd oder anort (an einem Ort, irgendwo)

Jauche oder Gülle

Hüling, Hilling (mhd. hüll(we) = Pfütze, Lache) - [Hiileŋ]

Mistsühling - [Missiŋ] oder [Missliŋ]

Odel / Adel (mhd. atel = Morast, schlammiges Wasser) - [oodl], åådl]

Sühling - [Sii-iŋ] oder Siileŋ]

Suling / Suling - [Sui-iŋ] oder [Suuleŋ]

Seu (mhd. sûr) - [Suur] / [Suar], [Sui], [Surm]

Suppn  - [Subbm]

Zogga  - [Zogga] - (Südtirol)

sehr kalt

zahnig, zapfig, huschi-kalt

brenn kalt (vgl. brenn heiß oder brenn rot)

die bummerische Kältn (klirrend halt)

griesgramen, gritzgramen (ahd. grisgramôn = mit den Zähnen knirschen)

friasn, fräisn, froisn, fruisan (ahd. friosan, friusan = frieren)

kapieren
[aus lateinisch
capere (begreifen)]

schnallen, fressen

gneißn, kneißen, schnoizn, spannen, übernosern / übanosan, überreißen
 „Iaz hab i's gneißt / gschnoitz / übernosert!”; Zehnerl foin låssn

Kinder (und nicht Kids)

Bauxerl, Buzerl, Bambs/Bams (Pl. Bamsen), Bamberl, Bamperletzsch (Pl. Bamperletsche),

Buam (Pl. Buam oder Buama) und Madln,

Datl, Gschråppm, Kinna / Kinner, d Kloa,

Wuzerl / Wuzei (Kleinkinder) (Pl. Wuzerln),

Schlitta oder Gschlitta, Voika, Zwergl, Zwutschkerl / Zwutschkerl

klar (beim Wetter)

schbiaglhoada

klauen, etwas mitgehen lassen, fledern,
mopsen
(von niederländisch moppen = murren, mürrisch sein),
striezen

(im Sinnen von etwas mitgehen lassen bzw. stehlen:
stehlen: seit 8. Jahrhundert belegt, ahd. stelan)
abstauben, hinunter-, abhinbiegen
[owibiang], [nunterbiang],
dààchln/dààchen
[daachln], [daachan] (von Daachl = Dohle)
 dàmisch hauen
[damisch haun]
datschen, dàtschen
[dadschn], ditschen [didschn]

druckn [druckn]
fladern
[fladan] (wie fledern geht zurück auf rotwelsche "fleddern"; ursprüngliche Bedeutung: waschen = auf die im Wind flatternde Wäsche bezogen; dann verhüllend für: herrenlose Sache stehlen)
kràmpfeln [krampfeln]m [grampfeln]

stibitzen [stibidsan] (aus mhd. stiezen = stoßen)
zwickn
[dswickn]

 

(in der Bedeutung ,Kleinigkeiten wie Platzl auf listige Weise an sich bringen): gripsen, mausen, stibitzen

einen Knall haben
oder

bescheuert sein

statt „Der hat einen Knall”:

„Dea (oda die) håt..”

...an Depscha (=Delle)

... an Hib (=Hieb)

...an Huscha (Huscher)

...an Pecka (Stoß, Schlag)

...an Poscha (Klatschender Laut)

...an Klopfn oda an Duscha (lauter Schall, Knall)

kritisieren, bemängeln

 meutan (schimpfen), motschkan, zahnan, ochötzen, greanggln, greina

Landhausmode

Gamshuaberlgschnas
(Touristenkonfektion bzw. Tracht von der Stange)

langweilig

 fâd, lätschert, lob / låb, trietschert, o'gschmooch

Lärm, Krach

Gflöda (Gezeter), Gsteam, Gstama

ledig

oaspânni, oarschichtig / oaschichtig

leeres Gerede, „Vielredner

Brezetta (Vielredner), brezettan (viel reden), Dampfbladera, Blefdarach resp. Blefdarer (von „blefdan“ = viel reden), Geschwaflad, Gesudarat, Gwascht, schwofeln,
Laaschatzer / Laaschatza
(Laasschatzer, Laarschatzer, Leerschatzer) [laaschaddsa],
Modlat / Gmodlat

links

deng / denk, teng / tenk (mhd. tenk ggf. aus germanisch pankuz)

linkshändig oder ungeschickt heißt deshalb tengasch / tenkisch

Liebhaber

Gspusi, Kunt (mhd. kund = befreundet, bekannt), Kunterling, Tschamstara/Gschamstara (m), Matschakerl

loben, preisen

geina / geuna

etwas locker schaffen
 (im Sinne von mühelos)

dant

Mädels, Mädchen

Mädl/Mädel, Madl/Madel, Madei (Mehrzahl: die Mädeln, Madeln, -)

Dearndl, Dirndl, Dirndei; (Mehrzahl: die Dearndln, Dirndln, -)

Mötz (pinzg., pong.) (Mehrzahl: die Mötzn)

manches

adiam (diam), adiam oâ

manchmal

adiamoi (adiam amåi), a diam; iawarmoi, iawö, iawön, himmramål

Maulwurf

Scher

die meisten

mehran (die Mehreren)

meckern, jammern, brummeln, nörgeln

benzn, megatzn, knaungatzn, jeian (jeiern), sudern, grantln, sempern, raunzen, quengeln, quigizzn, tschentschen

Meerrettich

Kren

mickrig
(schmächtig, mager, unansehnlich)

wieslharig, sperbradig (vgl. sper + bradig),
dürrlochert
(mit knochigem Loch = Gesäß),
hoalous
(heillos oder haarlos ausgestattet)

Pàmperl-, Bemperl- (klein, minderwertig, verachtenswert, kläglich, ärmlich)

möglicherweise

aménd

nett

bagschierlich, butzig, danschig, gschafti

goidig, gschmoh, gschtiascht, gspezig, liab, zeam

Neunmalklug, Besserwisser

siebengescheit (siemgscheid), gscheitmeierisch, Gscheiterl, Gescheitling Gscheiderl, Gscheidling), Gscheithaferl

Ohrfeige, Maulschellen, Schellen, Backpfeifen, Backenstreiche

einem eine schmieren, (he)runterhauen, (hi)nei(n)hauen,

ihm eine Schellen, Fotzen, Watschen, Dachtel geben

 

Über einen einzigen Schlag hinaus geht:

 abfotzen, herfotzen, wàssern, durchlassen, „’s Looch herghaut“, Scheitelknien

 

Die Schleg (Schläge), Driesch, Arschprügel, Strixen oder Wichs wird meist nicht mit der blanken Hand verabreicht, sondern empfindlicher gemacht durch Einsatz von Stock, Kochlöffel oder Teppichklopfer

Petze

Britschn, Britschhaferl, Verklaghaferl

pflücken, ernten

brocken (brockn / brouckn) (obrocka = gepflückt)

praktisch

gfiahrig, bagschierli, gwandd

Pfütze

Latschn, Lachen/Lacha (Wåssalacha), Lackei

Pulle

Flasche

klatschen, quasseln, redselig sein, klatschen, plaudern, schwätzen, sabbeln, klönen

blefdan viel reden, meist sinnloses Zeug
brachtn / prachtn
(von mhd. brachten: lärmen) tratschen, schwätzen, unsinniges reden, prahlen

fasln daherreden; auch herumhupfen

foafln Unsinn schwätzen (sprachlich verwandt mit den Foafln, eingetropften Mehlklumpen in der Farfelsuppe)

gschatzig sein (Geschatzad / Gschatzad = Gerede, Plauderei)
 vgl. schatzn

ein Gschwaflad/Gsudarat/Gwascht reden

gschmatzig

hoagaschdn (gemütlich plaudern, vom Gespräch im Heimgarten, wo in früheren Zeiten der neueste Ratsch ausgetauscht wurde)

lari fari leeres Zeug, Schmäh, Gerede

Ein Modlat reden dummes Gerede
prefln / prezedan / pretzln (schwafeln, schätzen)

quargln/gwargln (Quargel = Käse, Quarglsturz=Käseglocke, Quargltreda=Schweißfüße)

ratschn/ratschen (schnell reden / viel reden; harmloser Plausch, Klatsch)

schmatzen [schmadsn] - reden, plaudern‘ (Substantiv „der Schmaz[schmads] (Geschwätz, leeres Gerede).

(schmatzen mit hellem „à“, nicht zu verwechseln mit schmåtzen  (‚küssen‘ oder ‚geräuschvoll essen‘) mit  dunklem „å“)

 

schwådan, schwåfln/schwofeln, schwanan faseln, leeres Zeug reden, einen Rede- oder Wasserschwall loslassen

Ein Schwodara  [schwɔdara] gibt unaufhörlich Schwodaweach [schwɔdaweach] (unnützes Gerede) von sich.

tratschn / tratschen

rauh, spitzig, stechend

wax / wass / wachs

Regen (da Reng)

[(h)rεεn] oder [reeŋ)]

 

zu regnen (z renga)

 

 

 

 

 

Schnee [schnεε]

zu schneien  [schnaim]

(mhd snîwen)

 

Partizip (geschnieen) geschneiwet [gschnaibbd],  [gschniim]

Nicht nur das Wetter allgemein sondern auch das Gewitter wird mundartlich Wetter ([weeda] oder [wεεda]) genannt.

Es wird durch Wetterleuchten [weedalaichdn], auch himmezen [himmedsn] oder himmelkühlen [himmekia-en] bzw. 'Himmel abkühlen' [himme okian]) oder Wedableggitzn angekündigt. Das Blitzen [bliddsn] heißt Himmezen (oder Himmelitzen), das Donnern wird als [doachdn] bezeichnet.

Für die feinen Abstufen von Regen gibt's einen ausgeprägten Wortschatz:

leichter, sanfter Regen

drepfeln, drippeln (tröpfeln) (ganz leichter, sanfter Regen)

fisln, fiseln (kleinweise regnen oder schnenen)

griasln (tröpfeln, leicht regnen oder schneien) - mhd. riselen, abgeleitet von risen = steigen, fallen

nassln (Nässe absondern, ganz leicht regnen, Biedergehen von Nebeltröpfeln)

(siehe auch „netzn“)

nieseln oder neiseln (ganz leicht regnen, nächste Stufe v. nassln)

nebeln [nεεwen] oder nebelreißen [nεεweraissn] (ganz feiner Regen)

fetzen (in großen Flocken schneien)

 

mittelstarker Regen

prasseln (ausdauernder, nicht allzu heftiger Regen)

es gießt wie mit Schaffeln (in Stömen)

 

heftiger Regen

brezln (prasseln bzw. tropfen, in Strömen regnen)

brunzen (vgl. pinkeln)  „es bruntz wie die Sau“

drintawerfen (gleichzeitig regnen und schneien)

duschn (stark regnen) „a Duschara“

flessln (stark regnen) „heut flesslts owa“

giassn (starker Regenfall, wie aus einer Gießkanne)

kibeln / kübeln (sehr heftiger Regen, bei dem bildlich Kübel geleert werden)

Kittlwascher / Kittlwascha (plötzlich heftiger Regenguß)

pladdern (wie herunterprasseln)

sedan (stark regnen)

a Sedara  (ist ein Regenguß)

Schütterer (plötzlich heftiger Regenguß)

schledan (stark regnen, verschütten)

schwådan (einen Rede- oder Wasserschwall loslassen)

Spradara (kurzer heftiger Regen)

sudln / sudeln [mhd. sudelen = beschmutzen] (heftig rinnen, in Strömen regnen)

obaspratzln, obaschwoam (stark regnen, verschütten)

tatschln „heut tatschlts oba“

Übergangl (kräftiger Regen, der rasch vorübergeht)

waschln (ziemlich heftiger Regen)

Dauerregen

pritschln (ausdauernder nicht allzu heftiger Regen)

soacha (kraftvoller Dauerregen)

seihern (vgl. soacha - endlos dahin regnen)

 

Hagel [hɔɔgln]

baißeln [boassln]

prealn [prealn] (Kainachtal)

schauern [schauan]

schäuern [schaian]

riseln [riisln]

schlossen [schlossn

stoandeln [schdoandln] "steindeln"

 

Graupeln [graubben]

aprilen [ɔɔbrεin

riseln [riisln]

schneebaißeln [schnεεboassln]

schneiberl [schneibial] - leichter Schneefall

 

rückwärts, nach rückwärts schreitend

arschlan, arschling (zu Arsch, mhd. u. ahd. ars = ursprünglich in Bedeutung von Erhebung)

seltsam, besonders

gleng, ra, rar, hras

schaukeln, Schaukel

hutschen bzw. Hutsche

schick, dufte, schnieke

fesch

schnell

fruatig, fruatlings, gach, hurtig, husig, gschwind, schleinig

schuften, hart arbeiten

 baraban, buddln, hackln, schöpfen, schintn ("a Schintarei" ist eine mühsame Arbeit), schinackeln / tschinageln / tschinallen

schnuppe sein

(Schnuppe bezeichnet das verkohlte, glühend abstehende Dochtende einer brennenden Kerze, das üblicherweise abgeschnitten wird, damit die Kerze nicht rußt.

 

Die Redewendung „das ist mir schnuppe“  ist entstanden, um etwas als wertlos und gleichgültig (wie ein solches Dochtende) abzutun).

wurscht sein, egal sein

sehr

(siehe Kap. 13 von Bairisch gredt) oder Kapitel "Adverb" von Bairische Grammatik) und Merkle

arg, brenn, enz, ereg,  fürchtig, ganz, grimmig, haftig, hübsch (hibbsch), mâchti (mächtig), mentschan/mentschern/menddisch, narrisch nutz, recht, örig, sakrisch/saggarisch/sàggrisch, sauwa (sauber), selten, unbandig, upoasch/ uboasch/ubascht, woita/woidan

Single (engl.)

Oarschichtiger/Oaschichtiga, Oaspânniga, oniweib / onimo

spalten

klieben

Spaß, (aus ital. spasso, deshalb mit kurzem a [spass])
Ablenkung, Belustigung, Kurzweil, Vergnügen, Zeitvertreib, Zerstreuung

Gaudi, Gspass, Hetz

spicken, spähen

(z.B., Unterschleif bei Prüfungen)

luren, spechten, spitzen
Veraltet für abschauen, abschreiben, kopieren -  abbleuen (oblain)

vgl. hochsprachlich abkupfern , womit ursprünglich ’einen Kupferstich vervielfältigen‘ gemeint war

spotten, bespötteln, veräppeln, verspotten

brocken, dableckn, pflanzn, feanzln/feanzn, häkln, heanzn, obleamen, lappetzen

sprechen

 

(vgl. bereden)

reden
(Abweichend von der Hochsprache sind reden und sprechen im Bairischen keine Synonyme. Laut Schmeller gilt: „Sprechen hat im Munde des Volkes fast durchgängig den Nebensinn des Großsprechens, affektierten Sprechens, indem für gewöhnlich das Verb reden vorgezogen wird.“ Für ‚sich mündlich äußern‘ verwendet man fast ausschließlich reden.)

sam godika, sam guadika, sam goka
(mehr)

süß

(lieb)

(das Gegenteil von süß ist sauer - und süß ist aménd eine Zuckerwatte, niemals aber ein Kind, ein Madl oder eine Sache)

butzig, danschig, goidig, gschmoh, gschtiascht,  liab, zeam

stehlen, entwenden

fladan / fleddern / fladern, grabsn, krampfln, stassn,  sabralisirn

stochern

stieren, herumstieren, stierln

super, toll

bärig, bfundig/pfundig, fern, gwanddt (qwant), griawi, zünftig (zimfti), zeam, lusti, großartig, klass, lei(n)wand

Stufe

Staffel (bair. Staffe)

Tante Emma Laden, Krämer

Greißler, Kramer

Topf

Biadra, Budschn/Butschn, Eimer, Gazl, Kanne, Hafen, Hâferl, Kübel (Kiwi), Pfanne, Reindl, Schaff, Schnadelfäflein, Schüssel, Tiegel (Tegel), Weidling, Zuber

tollpatschig

Tollpatsch

dolgat (dôiggat, tolkert), deppert, potschat / patschert, heampat, hoppertatschert / hoppertatschig/hoppatatschig, unbetamt

Happadidl (Happal - schwache Person, unbeholfenes Kind)

 Heamp (Dummkopf, derber Kerl)

Pompaletsch (von ital. bamboleggiare: sich kindisch benehmen)

tricksen

(hin-) deixn, mankeln

Treppe

Stiege

Treppen (-haus)

Stiegen (-haus)

verpfuschen, verdatteln, verquasen

vadua, vagrodn (mißlungen/mißraten),
vahauen (verauen), vahunzn (verhunzen),
vasauen
(versauen), vaschustern (verschustern), vajankern (verjankern), vanudeln (vernudeln)

vamurksn (vermurxen), vamasseln (vermasseln)

Tüte

Sackerl, Packerl, Beutel, Stanitzl, Schamitzl (aus festerem Papier bestehendes, meist trichterförmige hergestelltes Verpackungsmittel, in das etw. hineingetan werden kann), Rogel (Oberpfalz/Nbay), Guckern (Tirschenreuth), Gstatl (Friedberg)

viel

ella, erla („erla Gäid/Göd“ = viel Geld)

häufti (viel, oft)

unaschtig (sehr viel, sehr groß, usw. – „unaschtig viel Obst“, „unaschtig viele Fremde“)

uglaxnt (außerordentlich, auffällig, übertrieben, extrem – „uglaxnt viel Geld haben“, Ein uglaxnt extremes Wetter“)

Wanderstock / Bergstock

Birigstecken oder Bergstecken: Bergsteiger-Stecken

Almstecken: für die Almleut

Stahelstecken: für die Schützen u. Jäger („Stahel“ ist die Bezeichnung für die Armbrust)

Alpenstange, starker Stecken

Ein Hoamtreiber ist ein Stecken aus Haselnuß, um das Vieh von der Weiden heimzutrieben.

Warmduscher, Weichei, Sitzendpinkler, Tölpel, Pantoffelheld
(Schwächling, Feigling)

Breznsoizer, Hemadpiesler, Hennaling (von "Henne), Hosndrädrä, Hosnpiesler, Hosnsoacha, Laberl, Lackel, Lahmlack, Loamlack, Laddiel / Lattierl, Lahmarsch, Lalli, Laffe, Lapp, Wappler

Weilchen

Randl / Randel (kleiner Zeitraum, kurze Dauer, z.B. "Bleima no a Rantl, hiaz weards erscht lusti!");

boadn / beidn ("Beid / boad a weng" = "Warte ein wenig")

Eichterl, Neichtl

weinen

hrean / rean / rehrn / reahrn (laut weinen), flennen, dreatschn/trentschen, grein/greinen (greascht = geweint), blazzn (heftig weinen), keachn (heulen, von keuchen), plärrn (brüllen, heulen), platzn (heulen), rotzn (von Rotz)

Wichtigtuer

Gscheithaferl, Gschaftlhuber / Gschaftlhuba, Gscheitmeier / Gscheitmeia, Gscheitwaschl, Wichtigmacher

ziemlich, wirklich

woiddan (auch „woidan“, „woitan“, „woita“ oder „woata“)
(aus dem Mittelhochdeutschen (mhd.) „wolgetan“ = gut beschaffen), ongla

 

Tabelle 1- Miniglossar (Hoch-/Norddeutschà Bairisch) von alternativen Wörtern und Wendungen – es muß nicht immer „sehr“ und „toll“ heißen! – Worte zum täglichen Gebrauch

 

     

wiâ waar’s mid?

Allgemeines Hochdeutsch

(rot = Nord-Hochdeutsch)

zum Beispiel

abich, awich, avich

aim, aimd, aims, aim(er)isch, naimisch, awech, awich, awicha, aweacha, aiweach, gawisch, gewisch, iwisch, gaichad, maichad, mächad, echad, naiwicht

[ahd. abich = verkehrt]

verkehrt (links statt rechts); Innenseite eines Stoffes; mit der verkehrten Hand

 

awich sein = zwider bzw./ grantig sein, ungutes Verhalten

 

haislawich = besonders ekelhaft

de awichane Seitn (die verkehrte oder rückwärtige Seite)"

avich und hrecht"

„aimische Hent“(‚Handrücken‘)

„af de mächad Seitn" (‚auf der falschen Seite‘)

„Du bist an den Aweachan kemma“? ( ‚Du bist an den Unrechten gekommen‘)

„Dees is da aweche Weg“?  (‚Das ist der falsche Weg‘)

adiam (diam) adiam amoi

 

a diam, an diam, diam, (a) diamol/diamoi, diamoln/diamoin, diemalen

 

[lat. ad diem]

manches, manchmal

 

„adiam is“ = „heute ist“;
 „als ob“

(siehe auch iawaramoi)

Na, Heißin. Glück han i wohl a diam g'habt, aba da Verstand hat ma no öfter helfen müass'n. (Der Jagerloisl, L. Thoma)

A diam is, als kam aus da Höh’, vo hoamlinga Musi a Klang, a diam is, als kam übern Schnee, vo z’weitest a hoamlinga G’sang (Heilige Nacht, L. Thoma)

„Mei, derfst dir ja grad oane außasuacha, die wo a so is“, meint sie; „waar oft a diam oane froh, bals in an scheen' Hof eine kaam“ (Madam Bäuerin, L. Christ)

Adiam amåi (hie und da, manchmal)

Adiam oâ (manche) meng an Schnee gar nêd.

Bal’s wahr is, was an diem oa verzählt ham (Franz von Kobell, 19. Jahrhundert)

adiam anouschd

wieder irgendwo

Anouschd songs „d Sach is gritzt“ und „adiam anouschd“ (wieder einmal) head ma „da Kââs is bissn.“

aménd, amend

möglicherweise, vielleicht

vgl. eppa

Woaßt aménd, wea as Spiej heid gwonna håt?

Moanst aménd, dass a Weda kimmt heit?

amerig / gamerig

gelüsten nach, lüstern, begierig, besondere Lust nach etwas Gutem (Essbarem) haben (Lungau)

A amerige Mötz.

I bi gånz amerig af an gschmackign Schweinsbroon.

anoat / anort - Östl. Oberbayern

anoats - Südliches Obb.

anoacht - Südostliches Obb.

ärchadswuu - Nordöstliche Oberpfaltz

anouschd - Altbayern, Tirol

åndaschtwo

an einem unbestimmten Ort, irgendwo

 

Das Gegenteil heißt ninascht, niendert, nienert

Anouschd songs „Irda“ fiar Dienstag und „adiam anouschd“ (wieder wo anders) head ma „Deanschda oda Éschtôg.“

bagschierlich, bagschierli, badschirli, packschierig

1. gefällig, praktisch, handsam

2. herzig, nett anzusehen, fein aussehend, adrett

"Adele gibt es gleich doppelt, vor allem im 2. Akt, wenn die bagschierlichen Zwillinge Theresa Grabner und Elisabeth Schwarz, beide waschechte Soubretten mit Zukunft, als Adele und Ida den 'Herrn Marquis' mit Urtönen vom Wiener Grund abwechselnd umgirren." So lobte Gottfried Franz Kasparek in der DrehPunktKultur-Kritik unlängst die aus Salzburg stammenden Zwillingsschwestern.

bäri(g), pfundi(g), griawi(g), zimfti(g), zeam, lusti(g)

toll

Des is a bärige Sach – find i ganz guat, grad bärig iss! Heid in da Stum hockma recht zimftig beinand – recht griawig iss!

beitln,  beiteln / beidln

 

[mhd. biuteln = Mehl im Beutel sieben]

1. schütteln (im Mühlenbetrieb), Beutel-Sieb aus Seidenstoff,

2. Beutelkasten, Beutelgabel

3. an den Ohren ziehen,  züchtigen

Obeitln (abbeuteln) = abschütteln; vor Kälte schütteln, zittern

 

Lehrbua beitln = Wasser lassen

Die Bettwäsch soi man aufm Balkon aussibeitln in da Friah.

benzn / benzen

raunzen, heftig begehren, beharrlich mahnen

 

mhd. benzen = quälen

 

Biadara

kleines hölzernes flaches Transport-Trinkwasserfaß (obb.)

 

Biadra

Trinkzapfen, wurde viel bei Heuarbeit u. Getreideschnitt verwendet, weil das Wasser kühl bleibt (tirolisch)

 

Binkl, Binkerl, Binkel,

Bingl, Pinkel, Bingal, Pinkerl

1. Bündel, Pack

österr. bayr. ugs.) Binkel, der; -s, -[n] (bayr., österr. ugs. für Bündel)

2. liebes Kind (Herzbinkerl)

3. Bezeichnung für einen feinen Mann ("feiner Pinkl), im abwertenden Sinn: ein dicker Mensch

4. hochnäsiger Schnösel oder  verzogener Bursch; jmd., der sich sehr toll vorkommt

5. Beule (z.B. am Kopf)

1. A jeder hat sei Binkl zu tragn = jeder Mensch muß mit seinem speziellen Schwierigkeiten fertig werden

2. Schimpfwort ("a feiner Binkl is des").

3. I håb me oghaut, dàßmà glei à mords Binkl aufgschossn is

Blang / blangig

Verlangen, begehren

I ho an Blang.

i bin blangi (ich habe ein starkes Verlangen).

boadn / boatn / beidn

[mhd. beiten]

warten

Geh nit so schnell, boad a weng af mi!

Gipfikreiz
Host hinta dir an Haufn Leit,
die zuaschaugn, wia’s da geht, wos geit,
boidst an Reim host, moanands d’Mehran guat,
boatn’d drauf, wo sie auf die letzten Meter tuat.

boussn / boßen / bosseln / boastn /beistn / passn

[mhd. bozen bzw. boen= stoßen, schlagen]

stoßen, klopfen, schlagen, anrempeln, hauen, poltern, stampfen, lärmen, Lärm machen

oboussn (abbossen) = Früchte von den Bäumen stierln (schlagen)

bzw.

Obst boussn = Obst vom Baum schütteln (beitln).

 

A Boussera ist ein Knall

 

Auch das Werkzeug, der Amboß (bairisch "da Ambouß" kommt von „an“ + „boussn“= schlagen, klopfen)

Bousst nid aso mit deine schwaare Schuach - du weckst as gonze Haus!

Der is so deppat, dea daat aar am Droadbôn (Heibôn) boussn - Der ist so blöd, er würde auch auf dem Getreideboden (Heuboden) Lärm machen. (Am Getreideboden oder Heuboden werden Stroh und Heu eingelagert, so daß es eigentlich gar nicht möglich ist, laut aufzustampfen. )

brocken / brouckn

[mhd. brocken = brechen,
ahd. procchôn]

pflücken, abbrechen; jemanden pflanzen, reinlegen

Schau ned in d Staudn eini, dua in koane Lecha kriacha, koane Bleame brocka, koane Beerl zupfa, koane Schwammerl obrupfa, vor allem aba hear auf neamd, dea wo dia sagat, du soist da ned higeh!“ (Der Froschkönig)

Nockerl soll i kocha.
Wir i wül in Gårtn gehn,
wül a Bleamel brocka,
steht das buglad Manderl då,
mit da goldan Docka.
(Das bucklige Manderl)

daläxld,

derlext, dalext, z’lexnd, zlexelt

leck, undicht

aus lateinisch laxus = schlaf, lose, locker, schlottrig

 

zlechslt (und alternative Schreibweisen) bedeutet "undicht", beispielsweise in Bezug auf ein Fass.

Da Zuwa (Zuber) is daläxld, dea gheard wieda eidelsld (dechtln: dicht gemacht durch Wässern).

dant

mit links, mühelos

Nixdå, den schicki dant (helles a).

Des baggma dant!

Depscha, Depscher, Detscher

 

 

 

 

 

 

 

depschen, eindepschen

Delle, Einbuchtung.
Ein Depscha ist eine leichte Delle (Duin) z.B. im Auto.

 

Wenn jemanden "einen Depschen hat", hat er einen "Klopfer" oder ist "beklopft" (leichte geistige Behinderung)

 

drücken, eindrücken

Bain Oabeka schbün oiwai zwoa Laid génganãn. Oi zwoa neman a hoat kochds Osdaoa und dãn haud ma mid'n Schbiz fum õan Oa, aufn Schbiz fum ãndan Oa. Õa oa håd danåch fåst oiwai an Depscha.

ebba, eppan

ebba = jemand (etwer)

ebban = wen in Sinn von jemanden

Da is ebba kemma.

Suchst du ebban?

äbbs, äbbas, eppa, ebba, epper;
 epad, ebbert, eppert, epand:
goar eppa, eppa goar

[ahd. eddes = irgend; mhd. etwaz, etewar = irgendwas]

 

(vgl. epanad = einige, ein paar, viele siehe erla )

vielleicht, etwa, gar vielleicht, vielleicht etwa gar, womöglich

vg. amend

„Hoddaebba ebba ebbs dã“
(bei dem das erste„ebba“ „etwa“, das zweite „ebba“„jemand“ und „ebbs“ „etwas“ bedeute.)

Ebbert is går a so, dass si' wer denkt
i wa' koan Dåsiger nit.
(Vielleicht ist es sogar so, daß einer meinen könnte, ich wäre kein Hiesiger).

Epand hots es gor scho ghom.

dolgat / dalkert / tolkert

1. ungeschickt, einfältig, töricht, tollpatschig, dumm, blöd, damisch

 

2. teigig, nicht fertig ausgebacken

"Stell di ned so so dalkert o!"

eps, ebbs, ebs

„etwas“ im Sinne einer „geringfügigen Menge“, am besten übersetzbar also mit „ein Weniges“

Das Wort entstand vermutlich durch Konsonantenassimulation als mhd. ëtes-waz (etwas, in wenig).

Vg. eppa

Dös is ebbs, was i guat braucha kannt.

D mehran Leit daan gern iwa d Politik sudern, awa ebbs dageng zon unternehma waar zvii valangt

 

erla, etla, etli, etlani,
an eddla; netla, a netla

etliche, einige, ein paar

vgl. epanad

Etla Leit san kemma, kennt hon i awa koa.

An eddla Leid han kema (Einige Lute sind gekommen).

feã(n)zln, feanzln, fenzeln, fienzeln

 

[mhd. vanz = Spötter]

zum Narren halten, höhnisch sein, zynisch herausfordern

j

fert / ferten

 

[mhd. vërt, värt, vertic]

feadd, feachd, fęascht, ferd, fead, fean, fearin  [mhd. „vërt” = "im vorigen Jahr", vgl. Firnschnee (der alte Schnee u. Ferner (Gletscher)], voriges Jåhr

 

FERTEN, eine bairische und ostfränkische nebenform von fert, bei SCHMELLER 1, 567. 568 ferten voriges jahr, vorferten vor zwei jahren;

ja es sind unser ferten vier
gen Bamberg zum bier gangn spacirn.
         AYRER fastn. 58a;

häit denkt, du wüszt von fertn no
wos in kalender steiht.
         GRÜBEL 1, 194;

bin i nit fertn gstorbn droh,
so glab is heuer niet.
         2, 85. daselbst 1, 50. 2, 180.
.

fesch

Feschheit

Feschak

1. "hübsch, flott, sportlich aussehend" in Bezug auf Personen. Vgl. sauber

2. "schick, hübsch, gut passend, modisch" in Bezug auf Sachen, vor allem Kleider und Gewand.

3. "nett, freundlich"

 

Feschheit = gutes Benehmen oder Aussehen

 

Feschak = ein gut aussehender, selbstgefälliger Mann.

 

Das Wort fesch ist wahrscheinlich eine um ca. 1800 in Wien entstandene Kurzform vom englisch fashionable.

1. "Sie ist eine fesche Frau." "Das is a fesches Madl."

2. "Der Rock ist in Kombination mit dem Halstusch besonders fesch."

3. "Sei halt fesch und komm mit."

Froas, froasen

in d Froas gfalln  - einen epileptischen Anfall zu erleiden

an Froas fôin - in Ohnmacht fallen, erschrecken

froasn - zittern

Froasen haben Kinder, wenn sie Krampfanfälle bekommen und zittern, dieser Zustand geht schon fast in die Richtung von epileptischen Anfällen:

Fahr bin in alle Ewigkeit! Im Namen der Dreieinigkeit! Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist. Schütz mi auf der Roas, Mei Familie vor Schreck, dö Kinder vor Froas!

feigelt /  / g´feiglt / Gfeiglat

jemanden ärgern, etwas schwer zustandebringen, sich schwer tun (z.B. mit der Arbeit)

Vgl. hunzen

de Gshicht feiglt mi" = ich habe Schwierigkeiten mit dieser Sache

er feigelt mich" = ich habe Probleme mit ihm

Wonns enk beim lesn a weng feiglt, miasts enk hoit aweng zeit nehma dafia!"

 fratschln / ausfratschln

neugierig ausfragen

 „Da Nachbarin, da Ratschn, vasuch i oiwei ausm Weg zon geng, sie duat mi jedes moi a so ausfratschln, daß' nimma woaß, wo's bist.“

fürchtig / fiarchti

sehr viel, sehr gut, sehr schlecht usw.

„as Madl is fei fürcht schee!“ „Da Berg is fürchti groß, da Mõ fürchti reich.“

gach (ga), gaach

 

[mhd. gæhe, gâhe, gæh]

schnell, jäh, plötzlich;

steil;
extrem (z.B. gach hoaß, gachblond = hell-/ strohblond); 
bald

die Gachn = Eile, Schnelligkeit

 

siehe husig

 

Vgl. vagachen

"Moan schier, es müaßt am selbigen Platzl sein", flüsterte Mickei, "wissn S', Herr, wo mer so gach ummagfahrn san. Kon leicht Gambs oder a Stuck Wild einigfallen sein, dös übern See hätt umma mögn." (Ludwig Ganghofer, Künstlerfahrt an den Königssee)

Sie no net glei so gach. Mi sagt ja grad, weil 's a guat's Werk waar, wann mi an arma Menschen was gab. (Ludwig Thoma, Der Wittiber)

A bißl jung sei nacha volla Muat, wia san de Tag und wias is d'Liab so guat!

Und nacha Summerarbat, hoaß und gach, da lass'n d'Sorgn und d'Müahsal gar net nach, bis d'mirkst: der Summa is ja scho am Ziaghn und d'Jahr kriang a G'wicht, je mehr daß fliagn (Josef Maria Lutz, Dees bissl Lebn)

(die) Gaudi, Gaudee

(Lat. gaudium)

Vergnügung, Unterhaltung

 

vgl. Hetz

Mein Gott, a bissl Gaudi und a bissl Gschäft soll man de Leit bei de schlechten Zeitn vagunna!

Mit eahm is oiwei a richtige Gaudi, da kannst lacha!

Gazl

(falsche Schreibweise Katzel, Kazl)

Kelle, Schöpflöffel

Die Italiener wurden einst abwertend als Katzelmacher (Gazlmacher) bezeichnet.

geina / geuna

[mhd. giuden]

loben, preisen

Fia dös muaß i di a weng geina!

gent (ge, gee, geh)

gę(n) 1

gleich, direkt, demnächst, bald

(siehe auch ge)

(es handelt sich hier um einen 'erstarrten Infinitiv', welche die nahe Zukunft anzeigt)

i geh gent zum Dokta!
(siehe Ringeis: Neues Bayerisches Wörterbuch)

Gfrett

fretten, frettn, freitn

[mhd. vreten, vraten = wundreiben, quälen, plagen)]

das Gfrett: a) Mühe, Plage, Schinderei. »Es war ein elendiges Gfrett und Schinden.«
(O.M. Graf, Unruhe um einen Friedfertigen, S. 146).
b) notdürftige Regelung, Provisorium. c) ärmliches Anwesen (»Geraffel«)
das Gfrett: a) Mühe, Plage, Schinderei. »Es war ein elendiges Gfrett und Schinden.«
(O.M. Graf, Unruhe um einen Friedfertigen, S. 146).
b) notdürftige Regelung, Provisorium. c) ärmliches Anwesen (»Geraffel«)
(O.M. Graf, Unruhe um einen Friedfertigen, S. 146).
b) notdürftige Regelung, Provisorium. c) ärmliches Anwesen (»Geraffel«)

kümmerlich wirtschaften, alles nur provisorisch erledigen, Mühe, Plage, Schinderei

Ein Gfrett war ursprünglich eine wundes Stelle, mit der man fertig werden mußte.

Sprichwort - "fretten hülft hausn, zuvü fretten mocht Flausen".

 gfotzert [gfoddsad]

frech, vorlaut, schnippisch

 

gleng

komisch, seltsam

vgl. rar

A glenga Kunt ist ein eigenartiger Kerl, Kauz.

glangrig

gelüsten nach

Mit´m Vadda eifrig Kripperl baun,
ganz hoamlich in de Schublodn schaun.
Und in der Speis recht
glangrig suacha,
nach süaße Platzerl, braune Kucha.

glimmig

gierig sein, Verlangen habend

 

gneißn / gneissn

kneißen

[mhd. (ge) neusen = erproben, versuchen, spüren, wittern]

 

Verwandt mit neusen und niesen (Vgl. Nase) und übernasern)

etwas erahnen, bemerken, verstehen, kapieren, vorausahnen

 

In Tirol kneißen statt gneißen.

Iaz föits Zehnerl - iazat hon i's gneißt!

 

Er hat (es) geneißt (oder genissen).

 

Ein Gneißer oder Bleitzgneißer ist ein Mann von schneller Auffassungsgabe (oft ironisch verwendet)

godika,
guadika, goka,
godika, gottikeit, gottwolkeit, guadekeit

(Ahd. quedan = reden, sprechen)

sozusagen, als ob man sagen wollte; gleichsam; das heißt; zum Beispiel‘

„sam godika, sam guadika, sam goka"

„Oach lang sans oft woardn, döi Hutza-Oumbmd. Dou hout d Hausfrau scho äiamol samgocka soogn möin: Leit, göihts hamm, d Hutzaleit wölln se niedalegn“. (Barbara Heinrich)

Übersetzung aus Nordbairischem: ‚Arg lang sind sie oft geworden, die Hutzenabende. Da hat die Hausfrau schon manchmal beispielsweise sagen müssen: Leute, geht heim, die Gastgeber wollen sich niederlegen.‘).

gouschat, goschert  [goschsad]

frech, vorlaut

 

grantln

[mhd. gransen]

herumnörgeln, brummeln

 

Greißler

[Ableitung aus mhd. grûsz = Getreidekorn]

Kramer, Krämer, Tante Emma Laden

Greißlerei = Kramerladen, Krämerei, Lebensmittelgeschäft

Greißlermentalität = eng begrenzter Horizont; Bestreben sich abzukapseln.

Im Suden kauft man beim Greißler oder beim Kramer „an Kas, a Birn oder a Brot", im Norden beim Tante-Emma-Laden „nen Käse, ne Birne oder n Brot”.

groatig

Eingebildet, selbstgefällig

D Lina is a hibsche Groatige.

griawig, griabig, griawi(g)

[mhd. gerueric, gerüewec = gelassen, rühig her, rührig, munter]

gediegen, gelungen, angenehm, gemütlich, lieb

Nach an hoaßn Dog im Birig is a kühle Maß Bia in a griabign Hittn ebbs scheens.

gschafti, geschäftig

niedlich, herzig, lieblich; lebhaft; wichtigtuend

 

gschlaxt / gschlaxt

geschlacht = handsam [handsam], schönwüchsig, geradewüchsig, lind 

in gschlaxdn (im Geschlachten) ist ein Bad Ischler Revier.

gschnappi, gschnappig [gschnabbig]

[mhd. schnappen = schnappen, schwatzen]

frech, vorlaut, schnippisch

 

Gsturi

(fast) aussichtslose schwierigkeiten, Aufsehen, Getue, Mühe, Umstände, Gedränge

Wann a Arwat (Arbeit) hint und vorn feiglt und bärt, dann hat ma a Gsturi beinand.

Mach keine Gsturi = Mach keine Geschichten

gspezig

herzlich, lieblich, vor allem ein Kind

Mei is as Wuzl ned gpezig, schaug wiar ea schaugt!

Gschnas (älter: Gschneise)

[mhd. sneise]

1. (der/das) Reihe gleichartiger Dinge, wertloses Zeug (Graffl, Gerümpel, Tand, Gfrast Glumpert, Grafflwerk, Klump)

2. (das) Maskenfest, Faschingsfest

Billige, nachgemachte Touristentracht hat einst der Mautner Conrad als Gamshuaberlgschnas bezeichnet

Das Wildergschnas ist ein bekannter Faschingsball.

Gundl / Gunngl

große Kuhglocke oder ähnlicher Hohlkörper, bauchige Fläche (tirolisch)

 

gwand

recht, praktisch, günstig

(Vgl. husig)

Das waar scho gwand, wenn Sie’s gleich machen kanntn! BrauchenS a Tragl (keine Tüte!)? Ja, das waar ganz gwand!

Gwand / Gwaund

[mhd. gewant, ahd. giwant, urspr. das Gewendete, d.j. das in Falten gelegte Tuch]

Kleidung; festliches, liturgisches Kleidungsstück (Meßgewand)

(auch Onglegat)

Heid håst a schneens Gwand o, gehst aménd auf a Feia?

hafti (haftig)

heftig, sehr, besonders, arg, ungeheuer

Bei uns daham wird mühvirdlarisch gred, des is oba ned so hafti wirs in Tiroi untn redn (Bei uns zuhause wird mühlviertlerisch gesprochen, das ist aber nicht so arg als in Tirol gesprochen wird.)

(Und mühviertlarisch miassat scho vasteh weu des is ned so hafti wir schwizadütsch)

Es is uboasch haftig, owa wia hom ins hiatz schon extrem long neama gseha - a wüde Gschicht. I hoff, mia sehan ins beim Oidausseer Kiritog - Montog war gschmoh. Tat mi narrisch gfrei.

hai (oder „hei“), haö, häu, häul, hal

Nordbairisch
haal

[mhd. hæle, hael, hâle, hêle]

glitschig, spiegelglatt, schlüpfrig, rutschig, glatt;

etwas verheimlichen, geheim halten, Verheimlichung

Paß fei auf – nachm Schnee is dâ Weg hibsch hai! Ringeis (Neues Bayerisches Wörterbuch)

 

Gâwân sich hal des tougen,
daz sîniu liehten ougen
weinen muosen lernen.
zeiner zisternen

Wolfram von Eschenbach
1170/75 - nach 1220, Parzival (um 1200/1210) Buch XIII (627 - 678)

heben

halten

daheben

aufheben (mit Mühe), "damanzn"

staadheben

still halten

iheben

anhalten

ghebt

gehalten

ghoben

davongehoben

handdi (hantig)

[mhd. handec = bitter, scharf, schneidend, stechend]

bitter (bidda), scharf, unfreundlich, barsch

Ganze ohne Heng (Honig) is dâ Tää fei scho handdi!

 heanzen, heanzn

verspotten, höhnen

der Hean`z - ursprünglich deutscher Bauer in ungarischem Burgenland

1. Südburgenländer, auch als Spottname

2. Ein zynischer, Spötter oder unerträglicher Mensch ist in Heanza

Du soist mi ned a so heanzn - i dua di hoit aa ned dableckn!

(die) Hetz [heds]

hetzig

Spaß

aus Hetz, hetzhalber = zum Spaß,

spaßig, lustig

vgl Gaudi

Das war eine Hetz!

Da Franz ist immer bei einer Hetz dabei.

Maradona kickt nur nur, sonder forderte nun hetzhalber Exchampion Laciar.

hiatn (hüten)

[mhd. hüeten, ahd. huotan = auf jemanden oder etwas aufpassen, damit ihm kein Schaden zugefügt wird, ]

babysitten,

schützend bewachen (Tiere, Haus, Weidetiere)

Heit geh i nit ins Wirtshaus, i muaß d Kinda hiatn.

honaggisch

schneidig, angeberisch, keck, herausfordernd

Dea is a rechta Kreereißa - dea duat so honaggisch ogeem, daß du eahm daschlong kannst.

hoamalantn

durch einen Gegenstand oder Umstand an die Heimat erinnert werden

Da duat’s ma hoamalantn, ois is iaz anders dahoam, da hoamlants ma ned mehr recht.

hudln

etwas hastig machen, hektisch sein; es eilig haben, etwas schnell schnell machen, kommt meistens nix gschteits dabei raus

Vgl. jaggn = eilig gehen, hastig arbeiten (pong.)

Nur ned hudln!

Vom hudln kemma den kinna. (von hastiger "Erledigung" kommen Kinder)

hunzen

ärgern, nicht gelingen wollen, nicht reibungslos klappen, Vgl. feigeln oder fuchsen

Diese Arbeit hunzt mich! = „Diese Arbeit quält mich, ärgert mich, mach mir mannigfaltige Schwierigkeiten und Probleme, sodaß ich mit ihr nicht so rasch, wie ich es dachte, fertig werden kann."

verhunzen" bedeutet ein wenig etwas anderes. „Ich verhunze die Arbeit." heißt, daß es meine Unfähigkeit ist, die die ordnungsgemäße Vollendung der Arbeit verhindert, also die Arbeit verpfuscht habe.

husig, husi, huseg, hussig

 

[mhd. hiuze = munter, frech, frisch]

1. eilig, geschwind, rasch, lustig, lebhaft, schnell, hurtig, eilig, gach;
2. praktisch, brauchbar, handlich, fleißig, hilfsbereit

(Vgl. gwand)
3. sehr gut, brav
4. wiff, clever, gescheid
(mehr)

Wichtiges Wort, vor allem im Wirtshaus: „Bittschea no a husigs Seitl“ (Oder der Sperrstunde zum Trotz: „Geh, oa husigs geht no !“)

Dann ging's wieder husig aufwärts und sogar auswärts unter Leimegger, dann mit dem Kößl-Wastl.

 

iawaramoi („übereinmal”)

iawö, iawön, iawand

iawat = je(mals)

manchmal; ab und zu

 

iawaramoi do fragt mi dann mei Bua: he Vata sog ma nur wer san de bled’n wer die gscheit’n?

klauben / klaubm / klaubn

[mhd. kluben, ahd. klubon, übertr.: Worte allzu genau auslegen (Wortklauberei)]

sammeln, etwas vom Boden aufheben, (auf)lesen, (Obst klauben)

 

klieben

[mhd. klieben, ahd. chliuban]

spalten

(«unr. V.; kliebte/klob, hat gekliebt/gekloben»  (südd., österr.) spalten: Holz klieben

(veraltet, aber noch landsch. für [sich] spalten);

Beugung:

du klobst u. kliebtest;

du klöbest u. kliebtest;

gekloben u. gekliebt;

klieb[e]

Kren (Krea)

[grẽẽ], [gree]

Meerrettich

Vom Topfen über die Marillen bis hin zum Schlagobers, den Paradeisern, Erdäpfeln und Kren wurde um den Ausdruck österreichisch-bairisch alpenländischer Identität gekämpft

Kramer

[ahd. kramâri = urpr. jemand, der in einer Marktbude Waren verkauft,
lat. comparare, spätlat. cromprare = kaufen, handeln]

Greißler, Kleinwarenhändler

Im Süden kauft man beim Kramer oder Greißler „an Kaas, a Birn oder a Brod", im Norden beim Tante-Emma-Laden „nen Käse, ne Birne oder n Brot”.

Kunt, Kuntaling

[mhd. kund = befreundet, bekannt]

Kerl, Bursche, Liebhaber

Hier besteht ein Zusammenhang mit dem Verbum "kennen". Zur gleichen Wortfamilie gehören auch die Wörter kund, Kunde / Kundin, Kundschaft.
Sinngemäß nach J.A. Schmeller (Bayerisches Wörterbuch): Der Kunde (Kunt), die Kundin (Kuntin) - der / die mit jemand Bekanntschaft, Umgang, Verkehr hat, besonders in Bezug auf das Geschlechtsverhältnis: Der Geliebte, Liebhaber, die Geliebte.

A glenga Kunt ist ein eigenartiger Kerl, Kauz.

 

A riesiger Kunt ist ein großes Mannsbild.

A gspassiger Kunt ist ein lustiger Bursch (der durchaus ein erwaschener Mensch sein kann).

Laddiel, Lattirl

Tolpatsch

Lattiel - aus der Verschmelzung von zwei annähernd gleichbedeutenden abfälligen Bezeichnungen hervorgegangen: „Lapp-didel“ wird zu „Latti’l“. Dass heute der Zwielaut „ia“ gesprochen wird, könnte in Anlehnung des undurchschaubaren Worts an „türl“ („Tür“) erfolgt sein. Deswegen kommt neben „der Lattirl“ auch das sächliche Geschlecht vor: „das Lattirl“. (mehr)

A Laddiel loss si ois gfoin!

leinwand, leiwand

[mhd. lînwât = Leinengewebe]

bärig, klass, super, großartig, außergewöhnlich, vortrefflich

Leiwand ist, wenn es dir taugt. Leiwand ist; in Wien zu sein

lusn

hören, lauschen, zuhören

loos amal zua (loos du amoi zua)

loost’s amoi zua (loost ös amoi zua)

Modlat, Gmodlat

dummes Gerede, Bezeichnung für einen Film, ein Stück mit seichten Inhalt

 

Mugel, Mugl, Mugerl

Hügel, Bodenwelle

adj. mugelig = hügelig, wellig

v. mugeln = sich anhäufen, einen Mugel bilden

Mugelpiste = wellige, unebene Piste

(Mugerl heißt auch ein "kleines, rundes Brot")

Wanns iwa a Mugelpiste mit de Schibrettl fahrst, brauchst stamme Wadl!

naggln, någgln

någgitzn

hin und her bewegen,

leicht hin und herwackeln

Ein Någgla ist ein älterer oder betrunkener, etwas tattriger Mann, auch einer, der die Fahne nach dem Wind hängt

Bei eam kimmd des net vom sauf'n,
a so duat er sogn,
er kon einfach im Bus drin
des auf und nieder und des naggln ned vadrong.

 

Ea nagglt imma wida an den Zahnd bis ea aussa kimmt!

ninascht, niendert, nienert, nirngs

mhd. ni[e]rgend[t]
ahd. ni io wergin

nirgend(s), an keinem Ort, nirgendwo

 

Das Gegenteil heißt
anoat,  anort, anoats, anoacht, ärchadswuu, anouschd, åndaschtwo

Die sä sand obnbei, und wia mi ziemt, fahln s eh ninascht in an greßan Gebirg.

 

Das neichi is ninascht zum auftreim, fa wo kauma sie deis besorgn??? Das easchti is recht guid won, owa das zweiti hob nau ninascht gsegn bzw. keat!

Oarschichtiger

(„Einschichtiger“)

oaspânni (einspannig)

Ledig, Single

Der håt koa Weib, da Oarschichtigâ!

Ma siecht, daß eâ no oaspânni is, weil eâ as selbe Hemad wia gestern (gestring) ohåt. Der Bairische Nußknacker (Nr. 153)

obleamen

spotten, bespötteln

Du, von dir laß i mi no lang ned obleamen! Ringeis (Neues Bayerisches Wörterbuch)

ohkeema / åbkimmt

abgekommen, verschwunden

Mei Hausschlüssel is adiam anouschd ohkeema – woaßt aménd du, wo da is?

Der Kråpfn der verschwindt mit dem Brauch der åbkimmt.

ooschdriaggln

besudeln, bekleckern

Håst du scho wieda drezd und as neigwaschn Heemad oogschdriaggld!

oschledan

unabsichtlich ein Getränk ausschütten

Du paß amoi auf, du håst dei Milli auf d nei Dischdeck ogschledat!

ooweing

locken, Appetit machen

Da Apfeschdrudl weigad mi scho oo (daad mi scho ooweing)!

pakschierlich, [paggschierli]

bakschierlich, bagschierlich, backschierlich  [baggschierli]; badschierlich [baddschierli]

1. niedlich, anmutig, lieb

2.  patschert - ungeschickt

3. zart, zierlich, anschmiegsam

4. streitsüchtig

b. (herziges, graziöses) Mäderl

Pamperl, Bemperl

[Ital. bambola = Puppe,
bambino, bambo = Kind]

klein, minderwertig, verachtenswert, kläglich, ärmlich, mickrig

Pamperl/Bemperl erscheinen nur als abwertendes Präfixoid, wie z.B.

Pamperlred = kleine, unbedeutende Rede

Pamperlbetrieb, Pamperlgeschäft, Pamperlzirkus = klägliches Betrieb ("Saftladen"), auch Quetschn genannt

 

Bamperlwirtshaus = schlechtes, kleines Wirtshaus

 

Bamperlladen [bamperlloon] = minderwertiges Geschäft, Laden

 

Vgl. Bamperl / Bamperletsch = kleines Kind 

Jetzt blamiert er ganz Kraglfing und bringt nicht einmal die Pamperlred fertig. (Ludwig Thoma, Agricola)

 

Bemperlbauer, sakrischer, glaubst eppa, i pass auf di auf? (Emerenz Meier)

Pfoad

 

[mhd. pfaid]

Hemd (Hemad)

De aufgehat Sunna Trifft Wiesen und Hoad Und Felda und Wälda In an seidana Pfoad. Es schimmat und flimmat, Kannst schaugn kaam hin, 's helliacht Tau, gell, rot, blau, Lauta Edelgstoa drin. (Madam Bäuerin, L. Christ)

Ja, awer auweh ums Gwand, wannst koan’n Flöck hast áf Sáckel zun dreinschoibn! Hosen und Joppen und Pfoad, und wanns noi wár vo nácht und draust Wintá, Ringeis (Neues Bayerisches Wörterbuch)

Zschnidn áf Fetzen und Stream und vorarbát áf Bándel und Söck wirds! (d’ Ahnl, Stelzhamer)

potschat / patschert / påtschert

unbeholfen, schwerfällig, ungeschickt

von ungarisch "bocs" = Bärenjunge

wia i am Suntog mitn Hansi im Stadionbod war und wollt des letzte Mol rutschn und potschat wie i bin, hob i mit da Lippn af de Rutschn aufgschlogn!!

pratzln [bratzln]

[event. aus dem Griech. prattein = handeln]

jemanden betrügen, hintergehen, übervorteilt, übers Ohr hauen, bescheißen, ausschmieren

Wenn einer den anderen übers Ohr haut oder ausschmiert, dann pratzlt er ihn.

rass / raß

hrass 1

prickelnd, scharf gewürzt, beißend

Die Kathl ist ganz a raßes Luder!

Da Radi is ma zua raß - dea is a gånz a raßa Hund!

reahn / rern / rean / hrian

 

[mhd. u. ahd. reren = brüllen, blöken, laut weinen, einen längeren, hohlklingenden Laut von sich geben, schreien]

laut weinen

röhren (Hirsche)

„Reahra” = Aufschrei, Geplärr

Wann`s d lochst donn lochst wia frischgfollener Schnee, wann`s rerst donn rerst mit dein gonzn Hoamweh 

resch [reesch]

rēsch, raisch

 

mhd. rosch, rösch, rösche

Der neueren Schriftsprache fehlt das Adjektiv, dagegen ist es in den Mundarten lebendig erhalten, der form nach teilweise durch Dehnung und Färbung des Stammvokals oder im Auslaut verändert:
rēsch, raisch

laut Grimmschen Wörterbuch

 

1)  kräftig beweglich, schnell, behende, munter, frisch.

a)  der bedeutung von gesund sich nähernd, munter, frisch

b) schnell, behende, kräftig beweglich zur arbeit, zur that, zum kampf, muthig, herzhaft

c) auch von unpersönlichem

d) heftig, tollkühn

 

2)  jäh, steil, abhängig

 

3)  am verbreitetsten in der bedeutung spröde, harsch, unter dem druck nicht nachgebend, sondern zerspringend, prasselnd, knisternd. von gebackenem und gebratenem

4)  rauh, auch in milderem sinne, ernsthaft, strenge

5)  vom weine, schweiz. röösche wi, scharf, herb, prickelnd, perlend im gegensatz zu weich, lind, womit der kahnige schwere wein bezeichnet wird.

6)  bergmännisch: rösches erz, das nur grob gepocht ist.

1a sô sol man vor den lîp muogen ein wênic mit etlicher arbeit, wan daჳ machet den lîp rosch unde lîht. Meinauer naturl. 7; ein röster witwer, ein munterer, frischer witwer

 

1b rosche ze fernumiste, veloces ad intellectum

 

1c sein ganch der sey vil rösch und schlecht.

 

1d rösches feuer: decket den hafen zu und setzet ihn zu einem röschen feuer.

 

2 ein röspes dach

 

3. das brot ist rösch, mit harter kruste, etwas rösch braten. vgl. die oben angeführten idiotica; mache knötlein, bachs schön rösch im schmaltz.

 

4. vir ille non solum gravis et severus: er seye nicht allein rösch und ernsthafft.

 

6. ein sprödes ungarisches glaserz. ebenda.

 

roglad, roglat

zappelig, nervös, leicht, sanft, vorsichtig;

wacklig, in Bewegung geraten, vom Einsturz bedroht

Ge heads auf mid dem Motschka,von dem Zeig wean jo nua de Schas roglad.

 

schbiaglhoada

ganz klar

Heid is’s Wedda nimmâ hoada (heiter), gestring (gestern) is no schbiaglhoada (spiegelklar) gwen. A bisserl diasi (dunstig) is’s worn.

schelch [schäle], [schäleg]

 

[mhd. schëlh, schieh]

scheel, schief, krumm

vgl. schäps

 

Scher (da)

Maulwurf

„D Scher san hoid guat fiarn Gardn, d dan d Erden umgråm“

schiach (Mittelbairisch)

schäich (Nordbairisch)

 

[mhd. schiech, schieh = scheu, abschreckend, böse]

hässlich; garstig; scheu, verzagt; Abscheu habend; wütend, zornig; beleidigt sein

 

(mehr)

D Marie hat a schiachs Kleid o.

Dös Weda is ma zu schiach, daß ma an Ausflug machn.

Mach ma fei ned schiach!" (in etwa -> mach mir keine angst)

Do werds oam glei ganz schiach! (-> da bekommt man richtig angst)

Tua ned so schiach! (-> sei nicht so wehleidig)

(Schlag-)Rahm

Sahne

(Schlag-)Obers

Meng’s a weng Schlagrahm auf Eahnan Topfenstrudel?

schleini / schleinig / schleunig

 

[mhd. sliunec = eilig
ahd. sliumo = sofort]

rasch, flink, geschickt: schleunig, unverzüglich, sofort, schnellstmöglich

 

(mehr)

Dua schleinig! Beeil di a weng!

Irgendwie is diesesmoi de Schui voi schleinig vergonga!

schoppen [schobbm]

1. stopfen, pferchen, hineinzwängen, verstopfen;

 2. bauschen, einen Wulst bilden;

3. zur raschen Mast mit Futter vollpfropfen, nudeln, wie man es mit Gänsen macht;

4. gierig essen, schlingen (vgl. urassen)

„Da mei Stiefel so nåß vom Reng waren, hab i de mit an oidan Lumpan ausgeschoppt bis die si wieder trickert haben."

 

mit Heu ausgeschoppt kann z.B. ein Kopfpolster oder sogar eine Decke sein.

Wenn man zu viele Topfennockerl in sich hineingeschoppt, kriegt man eine Wampn.

 

Wenn z.B. nach einem Storm [weeda] Äste und Laubwerk in einen Bach hineinfallen, so kann dieser sich „verschoppen“.

serfen [seafen],
serfezen
[seafeddsn]

beim Gehen die Füße nicht heben

Vgl. schlaiffen [schloaffa], schlaiffezen [schloaffeddsn], schlaipfen [schloabbfa], schlaipfezen [schloabbfeddsn],
hätschen
[haadschn]

Sog amoi - heb dei Fiaß, wannst gehst, des serfezen dreibt mi schõ zon Wahnsinn!

spenzln

[lat. sperare = hoffen]

flirten, einem Mädchen Hoffnung machen

Sog da Zenzi, sie sol nüchd mit den Rosknächt spenzeln!

stieren [schdian],
 herumstieren 
[herumschdian]

1. stochern

2. (herum-) stöbern, nach etwas suchen, durchwühlen, durchsuchen, durchstöbern

3. jemanden stiert etwas - jemandem ist etwas unangenehm; etwas bereitet jmdm. Kopfzerbrechen

Einen feinfühligen Menschen stiert so was, aber weißt, was ich in solchen Fällen denk? (K. Kraus, Menschheit 153).

Im Mist nach etwas Brauchbarem stierln.

stierln  [schdialn]

Iterativbildung zu stieren

1. längere Zeit und mit kleinen (schnellen) Bewegungen stochern

2. (einer Sache) genauer nachgehen, genauer überprüfen und auf Einzelheiten eingehen

3. sticheln, boshafte Bemerkungen machen

Stierlt einer in Mistkübeln oder Containern und findet brauchbare Sachen, so daß er sie ungestraft behalten.

Wenn man das Finanzamt stützig macht, fangen die Steuerbeamter an  nachzustierln.

Gegen mich fangen die schon an zu stierln, die gescherten Rammi!

Stiegen- (Stiagn-, Stiang-)
-haus, glânder

Treppen (-haus)

(-geländer)

Man geht die Stiegen hinauf oder die Treppen aufi, nicht die „Treppen hoch“!

Topfen

Quark

Da Topfenstrudel (Topfenbrot etc.); Speisetopfen, Topfennockerl (nicht Quarkbällchen!)

Quark – polnische/schlawische (Käsestoff; umgspr. für Wertloses)

übernosern / übanosan / iwanosan / ibanosan

„übernasern“, d.h. über die Nase schnell, rechtzeitig begreifen und richtig einschätzen, kapieren, verstehen

(„gneißen“)

 

Hiaz hon i's übernosert!

Da Fuaßboispiela iwanosert de Lage und schiaßt an zwoatan von seina drei Treffa.

 

übareißan / iwareißan / überreißen

merken, draufkommen, kapieren, verstehen, bemerken, mitkriegen, etwas mitbekommen

(„gneißen“)

Iaz hab i's übarißn!

Du überreißt aba goa nix!

 

überluxn / überluxeln / iwaluxn

[mhd. und ahd. list = ursp. Wissen, hinterlistig, ausgeklügelter Plan und entsprechendes Vorgehen]

durch List sich jemandem gegenüber Vorteil verschaffen, übervorteilen, überlisten, betrügen

 

 ugfumt

 ungezogen, unerzogen, ungeschliffen, ungehobelt, Benehmen ohne Anstand

Wenn ein Besuch da ist, holen die Kinder oft ein ugfumtes Toan.

„Ein ugfumter Hut”

ugfumt viel Zeug und Sachen”

vaschaukln / vaschaukeln ("verschaukeln")

 jemanden täuschen und betrügen;
mit etwas Erwartungen wecken und sie nicht erfüllen (z.B. Werbung), betrügen

 

umihebm ("umhinheben")

betrügen, hineinlegen

 

upoasch / uboasch /

 ubascht / ubaxt / ubåascht

unbändig, übertrieben, ungeheuer, arg, viel

 

abgeleitet von "(sich) gebärden".

Für die irreführende Wortform ist der regelhafte Ersatz von /r/ durch /x/ [ch] in der Stellung vor /t/ verantwortlich:
vgl. fertig =
[fia(ch)te], [feate], [fechtet]

Quelle: O-Radl, Salzkammergut Dialektvarianten

 

 vgl. woiddan

upoasch gschmoh = ganz lieb (mehr);

upoasch viel Obst = besonders viel Obst;

ein ubaschtes Toan (Benehmen) haben;

I gfrei mi scho ganz uboasch auf insre Roas = Ich freue mich ganz besonders auf unsere Reise.

Unbärdiges Holz weist auf klobiges, krummwüchsiges Holz hin, welches mit Auswüchsen behaftet ist.

urassen, urassn

Urass, urassig

urasz,  uraszen

[ahd. urazi = zu viel zum Essen]

 

(mehr)

verschwenden, vergeuden, verschwenden, verschleudern, verschwenderisch leben oder mit einer Sache umgehen

laut Grimmschen Wörterbuch

URASZ, n., m., verschmähte überbleibsel von speise und futter, reste und geringwerthiges überhaupt

urasz, m., der vielfrasz

uräsz,-äszig, adj. adv., auch ohne umlaut, überdrüssig, wählerisch, mäklich, kiesätig (vgl. kiesig th. 5, 698, unäszig 2) u. dgl.; objectiv was überdrusz, ekel erregt (vgl. ekel, eklig). mhd. ureჳ

uraszen,-äszen, n., 'sehr heikel sein im essen, gute sachen nicht essen, dieselben wegwerfen oder verschenken; verwüsten, verwirtschaften, verschwenderisch oder wegwerfend umgehen mit sachen';

Als Urass bezeichnet, auch die "übriggelassenen oder verschmähten Speisen selbst".

 

Wer urasst, geht mit den Eßwaren verwüstend um", er macht "das Essen eher unbrauchbar, als daß er wirklich ißt, wählt ohne Hunger nur das Beste aus.

Das Adjektiv urassig bedeutet übersatt und durch gutes Essen verwöhnt".

vagachn / vergachn ("vergachen")

[mhd. vergahen = übereilen]

vgl.

[mhd. gahen = eilen] siehe gach

in der Eile etwas falsch machen, verwechseln

 

Vgl. ruaschn = hektisch übereilt bewegen und handeln

i hob mi vagaht = ich haben einen Fehler gemacht, weil ich gruascht (gehetzt) habe.

wacheln, wachteln

1. kräftig wehen, stürmen (Intensivbildung von wehen)

2. wedeln, wackeln

3. (mit einer Fahne) winken; fächeln; wehen

Durchwacheln mit einem Tuch heißt auch ausbeuteln.

Ein Hemad kann auf der Leine im Wind wacheln.

Wenn der Wind gescheit weht, wachelt der Schnee und kann zu einer Wächte führen.

Wächte [wachdn]

 

Gewäden [gwaadn] / [gwaan]

Schneeverwehungen, Überhängende Schneemasse

(Norddeutsch "Wehe")

Überhängende Schneemassen, wie sie durch Verwehungen im Gelände zustande kommen, nennt man auf Bairisch und Alemannisch  nicht „Wehe“, sondern „Wächte [waachtn]“ (zu „wàhn“ [waan], bairisch für ‚wehen‘; mhd. „wæjen“, „wæn“, ahd. „wâhen“;

Vgl. Intensivbildung „wacheln“).

Eine Schneewächte [schneewächtn] kann zu einer Lahn führen.

Wappler, Tschapperl

Warmduscher, Weichei, Sitzendpinkler (mehr)

Wenn sich jemand ungeschickt anstellt, dann wird er/sie schon einmal „Tschapperl“ genannt. Der „Wappler“ ist eine schärfere, gröbere, männliche Form dazu.

Das Wort Wappler kommt (nach HORNUNG) von wappeln "sich schwankend bewegen", davon Wappler "Schmetterling", übertragen auch "unbedeutender Mensch, der nicht ernst zu nehmen ist".

wax / wass / waß / wachs

[mhd. wahs = schneidig, scharf, Gotisch hwaß = spitzig, stechend]

rauh, spitzig, stechend, grob, wacher, mutig

vgl. rass / raß

Des Woileibl (Woll-Leibl) kannst fei ned auf da nacketen Haut drong – as iss z wax ! Der Bairische Nußknacker (Nr. 273)

weangln

locken, hin und her bewegen

vgl. ficken
(mhd. ficken: hin- und herbewegen oder naggln

 

Da kloane Bua hat an Zahnn [zdsond] so long gweanglt, bis ea endli aussakemma is. Hiaz is ea gonz zahnluckat.
 

wiafli, wiaflad

schwindlig, fahrig, konfus, wirr

„Da wirst wiaflad.“

gaunz schlimma müdigkeitsanfall...und der streifenteppich mocht mi wiaflad".

 

Wenn eine alte Landbewohnerin zu einem Arzt kommt und sagt sie sei wiafli, verstehen sie die meisten Ärzte leider nimmer, dabei meint sie nur, daß sie schwindlig sei.
 

winni, winnig

[mhd. winnec = rasend, toll, zu winne = Schmerz vgl. winseln]

aufgeregt, nervös, tollwütig, rasend, wütend

„gonz winni is a gwen - bis roglad is.“

 

„geh fei dona von dem winnigen Hund, ea hat tollwüt"

woiddan, woata, woitan, woitla

ziemlich, etliche

(von "wohl getan")

Nach da harten Arwad bin i woiddan daloawed (erschöpft).

Da neia Vorstand håts fei woiddan weit bracht in seinâ Karriere. Iaz hot ea si an Ferrari kauft und moant, ea is iatz wea.
Woata hoaß oda koit“

D Årwat is oft woitan vü gwen.

Wonn nit muara woitan owochtpassn hoia van Somstog bis in Montog das nid an Brena tuat.

Da Hias is woitan hintaschattig. (ist ziemlich unaufgeschlossen bzw. seltsam, hinterlistig, rückständig)

zahnig / zahni

feucht kalt

Heit in da Friah is' fei zahnig koit gwen!

Von haftig zahnig bis upoasch hoaß.

zeam

mhd. gezæme

lustig, zünftig

 

Zeam und zünftig stammen aus derselben Wurzel :

zünftig“ ist von Zunft abgeleitet, und dieses ist das Abstraktum zu „ziemen“, vergleichbar mit „(An)kunft“ zu
„(an)kommen“.

Heit is' zeam! (heute ist aber lustig!)

Zeitlang

Heimweh

Nach drei Wochâ Urlaub kriegi wiedâ Zeitlang nach dahoam. Mi duats echt hoamalantn.

 zlexelt, z’lexnd

 

(daläxld, derlext, dalext)

leck, undicht

aus lateinisch laxus = schlaf, lose, locker, schlottrig

 

zlexelt ist z.B. ein Holzfaß, das undicht geworden ist. Die eingetrockneten Faßbretter (Holzdauben) haben sich zusammengezogen, wodurch Spalte oder Fugen in der Faßwand entstanden sind. Das Wort zerlechseln hängt mit dem ahd. Wort lechen „austrocknen, vor Trockenheit rissig werden und Flüssigkeit durchlassen“ zusammen, das sich heute noch in lechzen „gierig nach etwas verlangen, dürsten“ erhalten hat

 

(mehr)

As Fassl (Fässlein) is zlexelt, es gheard wieda eidelsld (dechtln: dicht gemacht durch Wässern).

zünftig

zimfti, zinfti, zinftig

bodenständig, urwüchsig, waschecht, zeam

 

Eigentlich "zunftmäßig, einer Zunft angehörig" daher im übertragenen Sinne: ordentlich, tüchtig

 

Zeam und zünftig stammen aus derselben Wurzel :

zünftig“ ist von Zunft abgeleitet, und dieses ist das Abstraktum zu „ziemen“, vergleichbar mit „(An)kunft“ zu „(an)kommen“.

Die Buschenschank bietet kulinarische Genüsse, denn wer arbeitet muss auch gut und zünftig essen!

Heid geit's a rare Musik - husig und zünftig spielen die Musikanten!

Tabelle  2 - Alternative Wörter und Wendungen (Bairisch à Hoch-/Norddeutsch)  es muß nicht immer „sehr“ heißen!

 

 1 - Zur Aussprache und verwendeten Lautverschriftung wird das Lautsystem von Drent und herent - Dialekte im salzburgisch-bayerischen Grenzgebiet - Der sprechende Dialektatlas auf CD-Rom von Hannes Scheutz unter Mitarbeit von Sandra Aitzetmüller und Peter Mauser größtenteils verwendet:

 

Das Schema des "Vokalvierecks" bildet die Artikulation der Vokale im Mundraum ab:

 

Zungenposition

vorne

hinten

 

Lippenstellung

gespreizt

rund

rund

Zungenhöhe
(Kieferwinkel)

hoch (geschlossen)

i

ü

u

mittel

e

ε

ö

epsilon

o

o

tief (offen)

a

a

 

Monophthonge (Einlaute)

Vokal

kurz

lang